Von Malaga nach Gibraltar und in die Bergwelt von Ronda


Do, 25.09.2014

Heute beginnt sie nun, unsere Rundreise durch Andalusien. Gestärkt durch ein reichhaltiges Frühstücksbuffet starten wir um 8.15 Uhr von Malaga aus.

Andalusien ist die südlichste der insgesamt 17 autonomen Gemeinschaften Spaniens und mit fast 88.000 m² die größte aller spanischen Regionen. 6,5 Millionen Menschen leben hier dauerhaft. Acht Provinzen bilden diese autonome Region: Almería, Cádiz, Córdoba, Granada, Huelva, Jaén, Málaga und Sevilla, wobei die Provinznamen identisch sind mit deren Hauptstädten. Málaga ist demnach z.B.Hauptstadt (capitale) der Provinz Málaga. Alle Orte und Städte einer Provinz werden "pueblos" genannt.

Bekannt ist Andalusien vor allem durch seine hohe touristische Bedeutung und durch den Flamenco, der als Wahrzeichen dieser Region gilt.

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Touristenorte an der Costa del Sol
Touristenorte / Badevergnügen an der Costa del Sol
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Die Strecke, die wir heute als erstes zurücklegen, liegt an der Costa del Sol, der Sonnenküste. Sie kann mit durchschnittlich 300 Sonnentagen im Jahr und einer Durchschnittstemperatur von 18° aufwarten, was sie vor allem der Betischen Gebirgskette zu verdanken hat. Diese erstreckt sich von der Bucht von Cadiz ca. 600 Kilometer ostwärts bis in die Gegend um Valencia und verläuft somit diagonal durch Andalusien. Sie hält die kalten Winde von Norden ab und lässt die warmen Winde von Süden nicht passieren.

Der Aufschwung in dieser Region begann in den 60-er Jahren. Aus kleinen Fischerdörfern entwickelten sich riesige Touristenorte, ca. 50% aller Immobilien sind in ausländischer Hand, mit der Folge, dass man oft an Lokalen lesen kann: Hablamos español (Man spricht spanisch). Die Costa del Sol wurde schnell zur Costa del Golf, der Badeort Marbella zum Inbegriff der "Schönen und Reichen".

Toiristenorte an der Costa del Sol
Der Felsen von Gibraltar
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Wir fahren entlang der Küste bis zur Bucht von Algeciras. Gibraltar lässt sich schon aus der Ferne erkennen. Die britische Enklave, die 1713 im Frieden von Utrecht von Spanien abgetreten wurde und seitdem unter der Souveränität des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland steht, ist unser erstes Ziel.  Wir verlassen kurz vor der Grenze spanisches Hoheitsgebiet und begeben uns (ohne den großen Bus) für kurze Zeit auf britisches Territorium. Wir passieren zu Fuß die Zollkontrolle, zeigen unsere Pässe vor, die aber nicht weiter kontrolliert werden und warten auf einem Parkplatz auf einen Minibus, der uns für die Stadtbesichtigung zur Verfügung steht. Der Minibus hat leichte Verspätung, da er die Start-und Landebahn überqueren muss, die aber viermal am Tag wegen startender oder landender Flugzeuge gesperrt wird. Während einer Rundfahrt können wir das britische Ambiente bestaunen und gleichzeitig ein wenig über Gibraltar erfahren.

Briefkasten auf Gibraltar
Briefkasten auf Gibraltar
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Das Territorium von Gibraltar umfasst eine Landfläche von 6,5 km², wobei die Grenze zwischen Gibraltar und Spanien nur 1,2 Kilometer lang ist. Gibraltar besteht aus einem flachen, größtenteils sandigen Gebiet und dem bekannten Felsen von Gibraltar, einem steil aus dem Meer aufragende Kalksteinfelsen, der von Nord nach Süd etwa sechs Kilometer lang und 1,2 Kilometer breit ist. Die Spitze des Felsens erreicht eine Höhe von 426 m. Der flache Teil Gibraltars konnte durch Landgewinnung etwas vergrößert werden. Das Material stammt zum großen Teil aus dem Inneren des Felsens, wo es beim Bau der insgesamt etwa 50 Kilometer nach obenTunnel anfiel. Neben den künstlichen Hohlräumen besitzt der Felsen eine ganze Reihe von natürlich entstandenen Höhlen, von denen wir eine besuchen werden.

Seit 1704 ist Gibraltar eine britische Kolonie. Die meisten Einwohner Gibraltars sind britischer, spanischer, italienischer oder portugiesischer Herkunft. Alle Gibraltarer haben einen britischen Pass. Staatsoberhaupt ist die britische Königin; sie wird in Gibraltar durch einen Gouverneur repräsentiert. Der Gouverneur ist gleichzeitig der Oberbefehlshaber der Armee und der Polizei. Zahlungsmittel sind neben dem englischen Pfund auch der Euro. Einzige Amtssprache ist Englisch, die meisten Einwohner sprechen daneben auch Spanisch. Viele Verkehrs-, Straßen- und Hinweisschilder sind zusätzlich in spanischer Sprache beschriftet. In Gibraltar ist Rechtsverkehr!! Günstig kaufen kann man Spirituosen, Tabak und Kosmetika und in bestimmten Mengen auch zollfrei exportieren. Gibraltar ist nicht Teil des EU-Binnenmarktes, es gibt keine EU-Mehrwertsteuer und die Einwohner sind keine EU-Bürger.

Leuchtturm von Gibraltar
Der Leuchtturm von Gibraltar
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An der Südspitze des Felsens, dem Europa Point (nicht identisch mit der Südspitze der iberischen Halbinsel!), steht der 1841 eröffnete Leuchtturm von Gibraltar (Gibraltar Trinity Lighthouse). In den 1990er Jahren wurde hier auch die Ibrahim-al-Ibrahim-Moschee, eine der größten Moscheen in einem nichtislamischen Land, errichtet.

Vom Europa Point können wir auch das afrikanische Festland sehen - wenn auch etwas im Dunst!

Affen von Gibraltar
Die Berberaffen von Gibraltar
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Die Attraktion für die meisten Touristen (und somit auch für uns!) sind natürlich die Berberaffen von Gibraltar. Die Legende sagt: Erst wenn das letzte dieser von Berbern importierten Tiere den Felsen verlassen habe, werde Gibraltar in spanische Hände zurückfallen. Bei den Berberaffen handelt es sich um Europas einzige wild lebende Affenpopulation. Die Tiere, die zur Gattung der Makaken gehören, sind eine Attraktion - wenn auch eine nicht ganz ungefährliche: Laut "Guardian" (9. Februar 2014) mussten im Jahr 2012 59 Menschen nach Affen-Angriffen im Krankenhaus behandelt werden. Zur Zeit leben etwa 300 Tiere dort; sie werden zwar regelmäßig von Wärtern gefüttert, dennoch sollte man nicht unbedacht mit Plastiktüten oder anderen Gegenständen herumschwenken. Das könnte leicht zu einer Affenattacke werden.

St. Michaels Cave Gibraltar
St. Michaels Cave Gibraltar
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Unser nächster Besuchspunkt ist die "St. Michaels Cave", die spektakulärste Schauhöhle im Gibraltar-Felsen. Die Tropfsteine werden durch farbiges Licht (was unserer Meinung nach sehr kitschig wirkt) in Szene gesetzt und auf Schildern ist die Entstehungs- und Entdeckungsgeschichte der St. Michael's Cave zu lesen. In der größten Halle, der „Cathedral Cave" wurde eine steinerne Bühne mit 100 Sitzplätzen für die Abhaltung von klassischen und modernen Konzerten errichtet.

In der Innenstadt, direkt an der "Main Street" endet die gemeinsame Besichtigung und etwas Freizeit ist angesagt. Wir erhalten von Isabel, der Reiseleiterin, einen guten Tipp für einen Mittagssnack, was wir auch beherzigen und uns erfrischen. Alle Teilnehmer treffen sich nach Mittag am Watergate-Platz, um von hier aus gemeinsam zum Bus (und damit wieder auf spanisches Territorium) zurückzugehen.

Es geht weiter auf zahlreichen Serpentinen, die mir (Anita) große Übelkeit bereiten, in die idyllische Bergwelt von Ronda. Die Stadt liegt auf einer Höhe von 723 m über dem Meeresspiegel, rund 120 km westlich der Provinzhauptstadt Málaga und 50 km nördlich der Costa del Sol. Auf der Fahrt kommen wir an riesigen Korkeichenwäldern vorbei. Die Rinde wird liegend getrocknet, damit sie flach wird. Korkeichenrinden werden hauptsächlich nach Portugal exportiert und auch dort verarbeitet. Ungefähr sieben Jahre braucht eine Korkeiche, bis sie sich wieder nach dem Abschälen regeneriert hat.

Die weissen Dörfer-Pueblos Blancos
Die weißen Dörfer - Pueblos Blancos
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Ronda ist eine der größten Ortschaften unter den "weißen Dörfern" (Pueblos Blancos) Andalusiens. Nun sind eigentlich alle oder fast alle Dörfer in Andalusien weiß, zählen aber trotzdem nicht zu den weißen Dörfern. Der Unterschied liegt im Ursprung dieser Orte. Sie sind nämlich keltischen Ursprungs, wurden zur Zeit der römischen Besatzung befestigt, später von den Vandalen zerstört und schließlich unter islamischer Herrschaft wieder aufgebaut. Ausschlaggebend für die Bezeichnung "Pueblos Blancos" muss also sein, dass die Fundamente der Häuser aus keltischer Zeit stammen. Als weiße Flecken auf Felsen oder an Berghängen fallen sie auf der Fahrt ins Auge. Sie verschachteln sich zu einem Labyrinth, das von Korkeichenwäldern, Olivenhainen und Weideland umgeben ist. Insgesamt gibt es 25 dieser Orte, die allesamt unter Denkmalschutz stehen und in jüngster Zeit touristisch stark eingebunden werden.

Am späten Nachmittag kommen wir in Ronda an. Ein Gewitter ist aufgezogen und ein starker Platzregen nötigt uns, die Regenschirme herauszuholen, denn ein Rundgang durch die Altstadt von Ronda ist vorgesehen. Gott sei Dank lässt der Regen schnell nach, doch die dunklen Wolken am Himmel verschwinden nicht so schnell - für Fotofreunde nicht so toll. Unser örtlicher Reiseführer nach obenstellt sich uns mit dem Namen "Jesús" vor, ein in Spanien durchaus gebräuchlicher männlicher Vorname. Jesús, der ausgezeichnet deutsch spricht, führt uns durch Ronda und erklärt uns sachkundig die Mixtur aus Elementen der maurischen und der spanischen Architektur, die bis heute erhalten ist.

Die Neue Brücke - Puente Nuevo in Ronda
Die Neue Brücke - Puente Nuevo in Ronda
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Die maurisch geprägte Altstadt, La Ciudad, liegt auf einem rundum steil abfallenden Felsplateau. Die Altstadt ist vom jüngeren Stadtteil, El Mercadillo, durch eine knapp 100 m tiefe, vom Río Guadalevín gebildete Schlucht, die El Tajo heißt, getrennt. Insgesamt 3 Brücken überspannen den Abgrund: die „Arabische Brücke“ (Puente Árabe), die  „Alte Brücke“ (Puente Viejo) und die bekannteste, die im 18. Jahrhundert erbaute „Neue Brücke“ (Puente Nuevo).

Die Stierkampfarena - Plaza de Toros in Ronda
Die Stierkampfarena - Plaza de Toros in Ronda
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In der Neustadt El Mercadillo liegt eine der ältesten Stierkampfarenen Spaniens, die Plaza de Toros. Stierkämpfe werden hier zwei- bis dreimal im Jahr ausgetragen. Die Saison fängt im April an und endet im Oktober. Die Stierkampfarena zählt zum Kulturgut des historischen Erbes Spaniens und gilt als eine der schönsten überhaupt. Offiziell eingeweiht wurde sie 1785 mit einer Corrida, bei der Pedro Romero (1754 - 1839) aus Ronda und Pepe Hillo (1754 - 1802), zwei herausragende Persönlichkeiten der Stierkampfgeschichte, auftraten.

Jeder Stierkampf beginnt mit dem feierlichen Einzug der Toreros, so heißen alle, die sich während des Kampfes in der Arena befinden: zwei Reiter mit Stechlanzen (picadores), die Männer, die während des Kampfes bunte Spieße in den Stier treiben (banderillos) und der Matador, was so viel bedeutet wie "Töter". Gewöhnlich besteht eine corrida, ein Stierkampf, aus sechs Kämpfen, die von drei matadores abwechselnd in der Stierkampfarena (plaza de toros) durchgeführt werden und jeweils etwa zwanzig Minuten dauern.

Cayetano Ordonez
Cayetano Ordonez, Stierkämpfer
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Der Kampf endet fast immer mit dem Tod des Tieres. Nur sehr selten verlässt ein Stier die Kampfarena lebendig. Zeigt er sich so mutig und aggressiv und unterhält er das Publikum außerordentlich gut, wird er begnadigt und kann auf die Weide zurückkehren und zur Zucht eingesetzt werden. Aber das passiert in 10 Jahren nur einmal!

Stierkämpfe sind aus Gründen des Tierschutzes zunehmend auch bei jungen Spaniern stark umstritten. Die Befürworter sehen im Stierkampf eine uralte Tradition, die Gegner Tierquälerei. Barcelona hat dem Stierkampf 2010 ein Ende verordnet. 

Nachdem wir unseren Wortschatz beim Besuch der Stierkampfarena mit Fachausdrücken rund um den Stierkampf bereichert haben, endet auch der gemeinsame Rundgang durch Ronda. Unser Hotel liegt direkt gegenüber der Arena. Es ist das Hotel Maestranza, c/Virgen de la Paz, 26. Hier wird um 20.15 Uhr ein gemeinsames Abendessen serviert.