Durch die Alpujarras an die Costa tropical

Fr, 03.10.2014

Heute ist unser letzter gemeinsamer Tag in der Reisegruppe. Isabel, unsere Reiseleiterin, wird uns heute Abend verlassen. Die beiden letzten Reisetage sind vom Veranstalter als Badeurlaub an der Costa del Sol gedacht, ohne gemeinsame Veranstaltungen.

Pünktlich wie immer verlassen wir gegen 9.00 Uhr unser Hotel in Granada. Unser erstes Ziel sind die Alpujarras (Las Alpujarras), eine raue, wild romantische Berglandschaft und eine der bekanntesten Schönheiten der Provinzen Granada und Almeria. Im Norden grenzt die Alpujarra an die Sierra Nevada, im Süden an das Mittelmeer und im Osten und Westen an verschiedene Mittelgebirge. 

Die nachfolgenden kleinen Bilder vergrößern sich beim Anklicken!

Alpujarras
Alpujarras
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Die Alpujarras waren seinerzeit das letzte Rückzugsgebiet der Mauren nach dem Fall von Granada 1492. Sie machten das einst unwirtliche Land urbar, in dem sie in dem steilen Gelände Terrassen anlegten und ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem einrichteten. Leider wurden die Morisken, eben diese zwangsbekehrten Mauren immer mehr in den ihnen zugesicherten Rechten eingeschränkt, was natürlich zu Unruhen und Aufständen führte. 1609 besiegelte Philipp III. mit dem Ausweisungsedikt endgültig das Schicksal der Morisken. An die 80.000 Bewohner mussten das Land verlassen. Christen aus den nördlichen Gebieten besiedelten daraufhin die Gegend.

Weiße Dörfer an den Hängen - nicht zu verwechseln mit den Pueblos Blancos! - erinnern mit ihren Flachdächern noch an die maurische Präsenz. Sie gleichen Dörfern in Nordafrika. Die Häuser sind stufenförmig gebaut und nach Süden ausgerichtet, um das milde mediterrane Klima zu nutzen.

Pampaneira
Enge Gassen in Pampaneira
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Erster Stopp heute ist das Dorf Pampaneira in den Alpujarras. Pampaneira liegt auf 1062 m Höhe. Das maurisch geprägte Dorf hat schon mehrfach Preise für sein Ortsbild erhalten: Die weißen kubischen Häuser mit ihren Flachdächern ziehen sich terrassenförmig die Hänge hinauf und sind durch enge, steile Gassen verbunden. Pampaneira ist, wie viele umliegende Orte ebenfalls, ein Zentrum der Weberei, vor allen Dingen Decken und Teppiche werden hergestellt und in den zahlreichen kleinen Läden angeboten, außerdem kunsthandwerkliche Souvenirs.

Auch der Tourismus gewinnt zunehmend an Bedeutung. So ist Pampaneira Ausgangspunkt für Wanderungen in die Alpujarras.

Unser nächster Stopp ist das "Schinkendorf" Trevelez, das an einer Bergflanke auf 1476 m Höhe liegt. Trevelez heißt "drei Stufen" und so teilt sich der kleine Ort wie viele Alpujarra-Dörfer in ein unteres, mittleres und oberes Viertel. In Trevelez besuchen wir den Familienbetrieb Gonzalez, der bekannt ist für die Herstellung seines luftgetrockneten Schinkens, Serano- und Iberischer Schinken. Herr Gonzalez verkauft seine Schinken ausschließlich in Trevelez. Er legt Wert auf die Feststellung, keine Supermärkte oder großen Firmen zu beliefern. Damit möchte er ein gewisses Qualitätsniveau dokumentieren. Seit einiger Zeit kann man seinen Schinken auch über das Internet bestellen: Familienbetrieb Gonzalez

Herr Gonzalez betreibt keine Schweinezucht, sondern er wird von Bauern, aber auch von Großbetrieben mit Lendenstücken (für Wurst z. B.) und Keulen beliefert.

Herr Gonzalez ist ein freundlicher, kleiner, flinker und geschäftstüchtiger Mann. Bei unserer nach obenAnkunft erfahren wir zuerst etwas über den Herstellungsprozess des Schinkens in seinem Hause, anschließend lädt er zu einer Kostprobe seiner diversen Schinken und auch Wurstspezialitäten ein und zum Schluss geht es dann in den Verkaufsraum, wo kaum einer aus unserer Gruppe widerstehen kann, einige seiner Köstlichkeiten, darunter auch sehr würzigen, leckeren Käse, einzukaufen. Die Sachen werden fachgerecht und luftdicht abgepackt, so dass sie haltbar sind und problemlos den Flug nach Deutschland überstehen.

Keulen werden angeliefert
Die Schinkenkeulen werden angeliefert
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Der Herstellungsprozess von Schinken besteht aus 4 Phasen: Nach dem Eintreffen der Schinken werden diese gewogen, eine Woche bis 10 Tage je nach Gewicht der Stücke in einer Kammer mit Meersalz bedeckt und danach in warmem Wasser gewaschen, um das Salz zu entfernen. In der Kammer herrscht eine Temperatur von 1° - 5°, die Luftfeuchtigkeit liegt bei 80 - 90 %.

Schinken in Salz eingelegt
Schinkenkeulen in Salz eingelegt
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Nach dem Salzen und Waschen ruht der Schinken. Die Schinkenstücke bleiben 30 - 60 Tage in einer weiteren Kammer bei einer Temperatur von 3° bis 6° und derselben Luftfeuchtigkeit wie vorher liegen, damit sich das Salz gleichmäßig im Innern des Schinkens verteilen kann.

In der Trocken- und Reifephase werden die Schinken in einen natürlichen Trockenraum gebracht, wo sie 6 bis 9 Monate bleiben (hängen). Durch Ventilatoren bedingt, schwankt die Temperatur zwischen 15° und 30°. Der Schinken trocknet weiter aus und entwickelt sein Aroma und seinen endgültigen Geschmack.

Schinken in der Alterungsphase
Schinkenkeulen in der Alterungsphase
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In der Alterungsphase hängen die Schinken 6 bis maximal 30 Monate in Bodegas; die Temperatur schwankt zwischen 10° und 20°. In dieser Zeit werden die biochemischen Prozesse fortgeführt und der Schinken gelangt zur endgültigen Reife und kann verkauft werden.

Die ganze Vorführung war höchst interessant und hat uns sehr viel Spaß bereitet. Herr Gonzalez hat im Ort Trevelez eine Schwester, die ein Restaurant betreibt, wo wir dann im Anschluss auf rein freiwilliger Basis ein kleines Mittagessen (natürlich iberischer Schinken, Käse und Brot, dazu einen Rotwein) einnehmen konnten. So hilft man sich gegenseitig! Trotzdem: wir fanden es total ok! Und vor allem: es hat super geschmeckt!!

Von Trevelez führt uns der weitere Weg hinunter zur Costa tropical, also wieder an die Küste. Hier besuchen wir im wunderbar auf einem Felsen gelegenen Ort Salobrena eine Obstplantage.

Cherimoya
Cherimoya
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Die Costa tropical ist ein 50 km langer und ca. 25 km breiter Küstenstreifen. Hier herrscht ein ausgeprägtes warmes See Klima mit geringen Temperaturschwankungen. Dadurch ist es möglich, nahezu ganzjährig tropische Früchte wie Mangos, Avocados, Papayas, Bananen, Datteln, Ananas, Feigen und Cherimoyas zu ernten.

Der Besitzer der Obstplantage führt uns zunächst durch seinen Anwesen Er ist wohl eine Art Biobauer, denn moderne Spritzmittel zur Schädlingsbekämpfung kommen hier nicht zum Zuge, sondern bewährte alte Hausmittel, um Ungeziefer zu entfernen. Wir erfahren etwas über die Kriterien des nachhaltigen Anbaus und die Eigenarten der tropischen Früchte. Zum Schluss der Besichtigung wird auf der Terrasse seiner Finca recht üppig aufgetischt: zuerst Zwieback mit Guacamole, dann Mangos, Feigen, Trauben, Cherimoyas, Bananen, Mini-Avocados mit Tomatenmarmelade gefüllt und vieles mehr! Alles in so reichlichem Maße, dass eigentlich keiner mehr so richtig Hunger auf das spätere Abendessen im Hotel hat!

Hotels in Torremolinos
Hotelpaläste in Torremolinos
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Nach Verkostung der angebauten Früchte fahren wir über Malaga nach Torremolinos, unserer letzten Station dieser Rundreise. Torremolinos gehört nun wahrlich nicht zu unseren bevorzugten Orten an der Costa del Sol. Die hauptsächliche Attraktion sind die Strände. Die Gemeinde verfügt über beinahe 7km Küste, die in der Hochsaison (die ist Gott sei Dank vorbei) von Touristen nur so überquillt. Entsprechend viele "Bettenburgen" (= riesige Hotels) prägen das Ortsbild, Massentourismus im wahrsten Sinne des Wortes, ein Horror für uns! Auch wir sind in einem solchen Hotel untergebracht: Hotel Pedro, wenige Gehminuten von der Uferpromenade entfernt.

Isabel verabschiedet sich im Hotel von uns, nachdem alle ihre Zimmerschlüssel erhalten haben. Unser Zimmer liegt im 9. Stock, ist relativ groß, verfügt über ein komfortables Bad und einen relativ großen Balkon. Da kann man auf jeden Fall zufrieden sein, erst recht, als wir sehen, dass trotz der vielen Besucher das abendliche Buffet sehr appetitlich hergerichtet ist, kontinuierlich nachgefüllt wird nach obenund alles recht diszipliniert zugeht (der Speisesaal fasst schätzungsweise um die 200 Personen). Und auch in der Nacht haben wir keine störenden Geräusche oder Lärm irgendwelcher Art. Dann erst einmal gute Nacht!